Estonia: „Crossroads Church“ Offers Discussions on Sermons in the Internet

Estland: „Kreuzung“-Gemeinde bietet Predigtnachgespräch im Internet

Klaus Rösler - November 06, 2006

T a r t u – Nach vierjähriger Tätigkeit als Kursleiter für Baptistische und Anabaptistische Studien am Internationalen Baptistischen Theologischen Seminar (IBTS) in Prag ist der Este Toivo Pilli in sein Heimatland zurückgekehrt. Dort arbeitet er nicht nur als Rektor des Theologischen Seminars seiner Kirche in Tartu, sondern er gehört auch zu einem Team, das eine neue Experimentalkirche gründet. Wie Pilli dazu dem Europäischen Baptistischen Pressedienst EBPS sagte, wolle die „Crossroads“-Gemeinde (Kreuzung-Gemeinde) vor allem Menschen ohne kirchlichen Hintergrund erreichen. Sie arbeitet unter dem Motto: „Kirche für andere, Heimat für jeden“. Weil biblische Namen oder Begriffe solchen Menschen heutzutage wenig sagten, habe man diesen für eine Kirche ungewöhnlichen Namen ausgewählt: „Wir versuchen auch die Sprache der Menschen ohne kirchlichen Hintergrund zu sprechen.“ Zum Gottesdienst gehörten sowohl Multimedia-Darbietungen und Live-Musik wie auch Gebete und Gemeinschaftsangebote. Zudem würden die Besucher aufgefordert, auch während der Woche besonders über die Predigt nachzudenken. Dazu habe man im Internet einen eigenen Blog geschaffen, der vom jeweiligen Prediger moderiert wird: „Wir möchten den Leuten helfen, eine engere Beziehung zu Gott zu entwickeln. Und wir bieten ihnen Gemeinschaft und Freundschaft an.“ Wichtig sei es der Gemeinde auch, dass ein Besucher nicht den Eindruck hat, beim Betreten der Gemeinde eine Zeitreise 50 Jahre zurück anzutreten. Die neue Gemeinde, die sich in einem ehemaligen Lebensmittelladen versammelt, ist eine Tochter der baptistischen Salem-Gemeinde von Tartu. Deren Pastor, Meego Remmel, habe die Gemeindegründung intensiv begleitet. Pilli räumt ein, dass der eingeschlagene Weg innerhalb des estnischen Baptistenbundes umstritten sei. Deshalb habe man alle Gemeinden gebeten, für die neue Gemeindegründungsinitiative zu beten.  

Wie Pilli ferner erläuterte, kann er von seiner Tätigkeit in Prag stark für seine Arbeit in Tartu profitieren. Besser als je zuvor verstehe er, dass die Theologie und auch das Leben der Gläubigen stark von ihrer jeweiligen Umgebung und Herkunft bestimmt und geprägt sind. So gebe es in jeder Gemeinde eine Art von Basis-Theologie, über die nicht gesprochen werde, die aber dennoch die Gemeinden präge. Sie sorge dafür, dass der Prediger als „Berufschrist“ demütig bleibe und den Fragen der Gemeinde mehr Aufmerksamkeit schenke. Ohnehin sei eine enge Verwurzelung zwischen Theologie und Gemeindeleben sehr wichtig. So dürfe die Theologie nicht im „Elfenbeinturm“ der wissenschaftlichen Gelehrsamkeit betrieben werde, sondern sie müsse sich den Fragen der Gemeinden stellen. Deshalb bestehe der Stundenplan in Tartu zu 30 Prozent aus praktischen Fächern für die Gemeindearbeit. Das Thema einer in der Gemeindearbeit verwurzelten Theologenausbildung stand auch im Mittelpunkt eines dreijährigen Forschungsprojekts gemeinsam mit dem Theologischen Seminar der schwedischen Örebro-Baptisten. Eine engere Kooperation mit dem Seminar gibt es seit rund acht Jahren.

Gegenüber dem EBPS räumte Pilli ein, dass ihm, seiner Frau Einike und seinen drei Söhnen das Wiedereinleben in Estland nicht leicht gefallen sei. Man vermisse vor allem die große Bandbreite bei der Gestaltung der Gottesdienste, wie sei in der Gemeinde auf dem IBTS-Campus üblich gewesen sei. Auch in den Gebeten habe man dort stärker die ganze Welt im Blick gehabt. Durch den Aufenthalt am IBTS habe er auch viele neue geistlichen Erkenntnisse gewonnen: „Ich schätze jetzt mehr als zuvor den Wert der Gemeinschaft der Christen im Blick auf praktische Konsequenzen und Inhalte des Glaubens.“ Durch die Zusammenarbeit mit den internationalen Kollegen und Studierenten sowie die intensive akademische Gemeinschaft habe er auch für seine Aufgaben als Theologiedozent profitiert. Zum estnischen Baptistenbund gehören 83 Gemeinden mit rund 6.000 Mitgliedern.

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