How Vision Changes the Life of a Church

Wie Visionen das Leben einer Gemeinde verändern

text: Klaus Rösler, photo Michael Gruber - October 17, 2012

B e r l i n – Gegen einen oberflächlichen und seichten christlichen Lebensstil hat sich der Präsident des Baptistischen Weltbundes (BWA), der Amerikaner John Upton (Richmond/US-Bundesstaat Virgina), ausgesprochen. Wie er auf der Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) vom 26. bis 29. September in Elstal bei Berlin sagte, hinterlasse ein solcher Lebensstil in der Gesellschaft ein Vakuum, das dann von anderen Kräften für ihre Zwecke ausgefüllt werde. Wenn Christen etwa in unterentwickelten Ländern keine Krankenhäuser oder Hilfe zur Selbsthilfe leisteten, drängten Extremisten in diesen Bereich. „Es ist zu wenig, wenn wir uns in unserem Gemeinden nur um uns selbst drehen“, sagte Upton. Nötig sei eine Vision, die Gott dann gebe, „wenn wir ihm unser Herz schenken“. Upton sprach über das Thema „Eine Vision für die Baptisten im 21. Jahrhundert“.

Wer sich mit der Bibel befasse, könne eine solche Vision erhalten, riet Upton. Er habe sich beispielweise gefragt, was Jesus nach den biblischen Berichten wohl am meisten in seinen Händen gehalten habe. „Das war Brot“, sagte er. Am Beispiel des Textes über die Speisung der 5.000 mit fünf Broten und zwei Fischen erläuterte Upton, dass Jesus das Brot genommen, gesegnet, gebrochen und weitergegeben habe. So handele Jesus Christus bis heute, wenn sich Menschen ihm mit ihren Möglichkeiten zur Verfügung stellten. Er könne aus Kleinem Großes machen.

Er verdeutlichte dies an der Entwicklung einer christlichen Gemeinde in China. Nach der Machtübernahme der Kommunisten ab 1949 seien in der Gemeinde nur noch vier ältere Frauen übrig geblieben. Obwohl es verboten gewesen sei, hätten sie sich jede Woche zum Singen und zum Gebet getroffen. Schließlich hätten sie sich entschlossen, einem jungen Mann aus ihrem Dorf die Ausbildung zu finanzieren. „Das war ihre Mission“, erläuterte Upton. Nachdem der Mann die Ausbildung beendet hatte, habe er die Frauen gefragt, ob er etwas für sie tun könnte. Sie baten ihn, eine Bibel zu organisieren, weil das kommunistische Regime alle Bibeln beschlagnahmt hatte. Zwar seien Bibeln verboten gewesen, dennoch habe der Mann die Bitte der Damen erfüllt. Und weil sie nicht lesen konnten, hätten sie ihn gebeten, ihr doch einmal in der Woche etwas aus der Bibel vorzulesen. Die Bibellektüre habe den Mann völlig verändert. Er sei schließlich Pastor der kleinen Gemeinde geworden. Als Upton ihn vor kurzem bei einem Besuch in China kennenlernte, habe die Gemeinde 21.000 Gottesdienstbesucher an jedem Wochenende gehabt. Upton: „Wir erwarten meist viel zu wenig von Gott.“

Wie ein Gemeindeleben sich positiv verändern könne, wenn man auf Herausforderungen reagiere, schilderte auch der Vertreter des Irischen Baptistischen Netzwerks, Stephen Adams (Belfast), in einem weiteren Beispiel, von der er gehört habe. In der Umgebung einer überalterten Baptistengemeinde in Großbritannien seien zahlreiche Kneipen entstanden. Vor allem am Wochenende hätten die Besucher in dem Viertel oft ihre Notdurft auf dem Gelände der Gemeinde verrichtet. Dies habe die Gemeinde sehr geärgert. In der Gemeindeversammlung habe der Ältestenkreis schließlich vorgeschlagen, das Gelände zu schützen und eine Mauer zu errichten. Nur ein älteres Gemeindemitglied habe widersprechen und vorgeschlagen, statt dessen eine Toilettenanlage zu bauen. Als gefragt wurde, wer sich um diese Anlage kümmern wolle, habe sich der Mann dazu bereit erklärt, weil er ohnehin nachts schlecht schlafe. Tatsächlich sei die Toilettenanlage gebaut worden – mit der Folge, dass die Gemeinde inzwischen einen gut besuchten Gottesdienst in der Nacht von Samstag auf Sonntag feiere und viele neue Kontakte geknüpft habe.

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