Spain: Baptists Debate about Money and the State

Spanien: Baptisten diskutieren kontrovers über Geld vom Staat

Manuel López/Klaus Rösler - November 15, 2005

G a n d i a – Ohne Ergebnisse hat der Bund der Baptistengemeinden in Spanien auf seiner Delegiertenversammlung Anfang November in Gandia bei Valencia eine Debatte über das Verhältnis von Kirche und Staat beendet. Das Thema soll weiter diskutiert werden. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie man auf das Angebot des Staates reagieren soll, die Arbeit der drei religiösen Minderheiten in dem stark katholischen geprägten Land finanziell zu unterstützen. Die sozialistische Regierung des Ministerpräsidenten José Luis Zapatero hat Protestanten, Moslems und Juden in diesem Jahr insgesamt drei Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die 227 Delegierten waren sich nicht einig, ob man einen Teil des Geldes – den Baptisten hätten über ihren Bund 12.000 Euro zugestanden - annehmen oder es komplett ablehnen soll, um nicht in eine Abhängigkeit vom Staat zu geraten. Insgesamt wird die Arbeit der Protestanten in Spanien vom Staat mit 630.000 Euro unterstützt. Wie es in der Aussprache hieß, haben 15 Baptistengemeinden bereits jeweils etwa 6.000 Euro erhalten.

Ebenfalls nach einer kontrovers geführten Aussprache wurde die Wohn-, Tagungs- und Freitzeitanlage „La Residencia“ der Gemeinde in Denia (bei Alicante) für 25 Jahre kostenlos zur Nutzung überlassen. Das 20.000 Quadratmeter große Gelände war ursprünglich von Missionaren der Südlichen Baptisten errichtet und später dem Spanischen Baptistenbund überlassen worden. Schon in dieser Zeit war es von der Baptistengemeinde in Denia genutzt worden. Die Gemeinde hatte für ihre Schulungsarbeit dort auch einige Gebäude errichtet. Gemeindepastor in Denia ist der Vizepräsident des Baptistischen Weltbundes, Jorge Pastor.

Vertagt wurde dagegen der Entwurf für eine neue Verfassung des Gemeindebundes. Er hatte vorgesehen, die Amtszeit der leitenden Mitarbeiter des Bundes auf vier Jahre zu begrenzen. Zudem war vorgesehen, die Arbeit stärker zu dezentralisieren. Der Entwurf fand jedoch keine Mehrheit. Derzeit gibt es unterschiedliche Berufungsfristen. Das Amt des Generalsekretärs wird auf fünf Jahre vergeben, Präsident und Stellvertreter werden für zwei Jahre berufen, wobei Wiederwahl möglich ist. 

Zum neuen Präsidenten wurde der Pastor einer der vier Baptistengemeinden in Barcelona, Roberto Velert, gewählt. Er ist auch Leiter und Gründer des Senders „Radio Bona Nova“ (Radio Gute Nachricht). Er ist in dem Amt Nachfolger der Rechtsanwaltes Pablo Simarro (Lleida), der auch als Vorsitzender eines Komitees amtiert, das den 6. Evangelikalen Kongress Spaniens vorbereitet, der im Dezember 2007 in Barcelona stattfinden wird. Keine Mehrheit fand dagegen die Kandidatur der Designerin Lola Calvo (Madrid) für das Präsidium, die in der Geschäftsführung des Spanischen Bibelbundes arbeitet. Sie wäre die erste Frau in der 137jährigen Geschichte des spanischen Baptistenbundes im Präsidium gewesen. In 13 Wahlgängen erreichte sie nicht die notwendige Zweidrittelmehr. Im letzten Wahlgang fehlten ihr schließlich zwei Stimmen. Theologische Gründe konnten nicht gegen ihre Kandidatur angeführt werden, denn in Spanien ordinieren die Baptisten auch Frauen zu Pastorinnen.

Zum Bund der Baptistengemeinden in Spanien gehören 132 Gemeinden mit rund 9.600 Mitgliedern. Etwa 94 Prozent der 39,5 Millionen Einwohner des Landes sind Katholiken. Ferner gibt es rund 800.000 Protestanten, 300.000 Muslime und 15.000 Juden.

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